„unconditional love“ 

Die performative Installation „unconditional love“ ist eine neue Interpretation der „Episode aus den historischen Anekdoten des römischen Schriftstellers Valerius Maximus (34 n. Chr.). Erzählt wird die Geschichte des Atheners Cimon, der ins Gefängnis geworfen und zum Hungertod verurteilt worden war. Seine Tochter Pero aber, die gerade ein Kind bekommen hatte, verschaffte sich Zutritt und rettete ihren alten Vater, indem sie ihn aus ihrer Brust nährte.1

Eine bedingungslose Liebe, die keine Grenzen kennt – weder nationale, religiöse, noch soziale – reine Nächstenliebe, die neben Glaube und Hoffung zu den christlichen Tugenden gehört und die als tragende Säule Vorraussetzung für ein menschliches Miteinander ist. Eine Liebe, weniger als Gefühl, sondern als solidarisches Handeln interpretiert.

 

„Unconditional love“ soll die Zuschauer nicht provozieren. Sie soll als Aufforderung dienen, ja fast dazu zwingen, hinzusehen, um das natürlich menschliche zu erkennen. Sich dem Tabu der Nacktheit zu entledigen und eine positive Rückmeldung an das eigene Ich ermöglichen.

Zu dieser grenzenlosen Liebe gehört auch die vollkommene Akzeptanz des anderen. Die Auswahl einer möglichst diversen Gruppe von Performer*innen für die Installation gehört in diese Motivationslinie dazu: eine Frau, ein älterer Herr, ein Junge. Jeder der Akteure steht symbolisch für eine Rolle in der Gesellschaft, die er repräsentiert. Die entfesselte Barmherzigkeit steht hierbei in einem Spannungsverhältnis zu den kulturell eingeübten Tabus und zu den angelernten Mechanismen gesellschaftlicher Exklusion.

Älterer Herr – Symbol der Vergebung, Sichtbarkeit des Alters, Rolle des Vaters bzw. der Eltern und die Vergebung der unperfekten Elternrolle
Zwei Junge Frauen – sollen die gegenseitige Unterstüzung spiegeln, Solidarität gegen den Neid und die weibliche Eifersucht
Junger Mann – Freihet der Sexualität, Akzeptanz der Diversität
Alle Akteure stehen für die Akzeptanz der Meinung, Religion, Herkunft und Identität. Ein Symbol der bedingungslose Liebe jenseits des Individuums und der Sexualität.

Elizaveta Shlosberg, Leonid Ovtschinnikov, Lianna Djorbenadze, Reiner F. Schulz, Otakar Skala, Matthias Schlitt, Sonja Jackobson, Michael Ziegler .                    Grosses Dank an Ulrike Manestar  
 

1 www.bremen.museum-digital.de
2 anonymer Verfasser

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meinen beiden Vätern gewidmet

 03 -04. 09. 2021